Enneagramm

Das Enneagramm hat in der pädagogisch-therapeutischen Arbeit der Weißen Villa Harz einen besonderen Stellenwert. Wir arbeiten seit vielen Jahren intensiv mit diesem Persönlichkeitsmodell und nutzen seine Erkenntnisse insbesondere zur Förderung von Selbstreflexion und Eigenwahrnehmung.

Im Mittelpunkt steht für uns die Auseinandersetzung mit eigenen Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern. Junge Menschen sollen besser verstehen können, warum sie in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Weise reagieren und welche Funktion bisherige Verhaltensstrategien für sie haben oder in ihrer Lebensgeschichte einmal hatten.

Auf dieser Grundlage können gemeinsam alternative Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden.

Das Enneagramm in unserer pädagogisch-therapeutischen Arbeit

Das Enneagramm beschreibt neun unterschiedliche Grundmuster der Wahrnehmung und des Verhaltens. Für unsere Arbeit ist dabei nicht entscheidend, einen jungen Menschen möglichst eindeutig einem bestimmten Typ zuzuordnen.

Viel wichtiger ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Person: Wie nehme ich eine Situation wahr? Was löst sie in mir aus? Warum reagiere ich so? Welche Strategie nutze ich immer wieder? Und welche andere Möglichkeit könnte ich in dieser Situation ausprobieren?

Damit bietet uns das Enneagramm eine gemeinsame Grundlage, um Wahrnehmungen, Motive und Verhaltensweisen zu besprechen und zu reflektieren.

Selbstreflexion und Eigenwahrnehmung schärfen

Ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit mit dem Enneagramm liegt in der Entwicklung einer differenzierteren Eigenwahrnehmung.

Junge Menschen können lernen, wiederkehrende persönliche Muster bewusster wahrzunehmen und Zusammenhänge zwischen Wahrnehmung, Gefühlen, Motiven und Verhalten besser zu verstehen. Dabei geht es auch darum, die eigenen Stärken und Ressourcen zu erkennen.

Aus unserer langjährigen praktischen Arbeit haben wir positive Erfahrungen damit gemacht, das Enneagramm für diese Reflexionsprozesse einzusetzen. Gerade die gemeinsame Sprache über persönliche Muster kann dabei helfen, eigene Reaktionen genauer zu betrachten und verständlicher zu machen.

Bisherige Verhaltensstrategien verstehen

Verhaltensweisen entstehen nicht ohne Grund. Manche Strategien haben jungen Menschen in früheren Situationen geholfen, Belastungen zu bewältigen, sich zu schützen oder mit schwierigen Erfahrungen umzugehen.

Allerdings können solche erlernten Strategien später in anderen Situationen zu Schwierigkeiten führen. Deshalb betrachten wir nicht nur ein auffälliges oder problematisches Verhalten, sondern fragen auch nach dessen möglicher Bedeutung und Funktion.

Das Enneagramm ist für uns dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Es unterstützt die gemeinsame Reflexion darüber, welche gewohnten Verhaltensstrategien immer wieder auftreten und in welchen Situationen sie wirksam werden.

Neue Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten entwickeln

Selbstreflexion allein ist für uns nicht das Ziel. Aus dem besseren Verständnis des eigenen Verhaltens sollen auch neue Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten entstehen.

Gemeinsam kann betrachtet werden, welche bisherige Strategie in einer konkreten Situation eingesetzt wurde, welches Bedürfnis oder Ziel dahinterstand und welche anderen Möglichkeiten zukünftig zur Verfügung stehen könnten.

Neue Verhaltensweisen können anschließend im pädagogisch-therapeutischen Alltag erprobt und wiederum reflektiert werden. Dadurch entsteht ein fortlaufender Prozess aus Wahrnehmen, Verstehen, Ausprobieren und Reflektieren.

Andere Menschen besser verstehen

Die Arbeit mit dem Enneagramm richtet den Blick nicht nur auf die eigene Person. Sie kann auch dabei helfen, unterschiedliche Wahrnehmungs- und Reaktionsweisen anderer Menschen besser zu verstehen.

Was für einen Menschen selbstverständlich erscheint, kann von einem anderen völlig anders wahrgenommen werden. Die Beschäftigung mit solchen Unterschieden eröffnet die Möglichkeit, andere Perspektiven kennenzulernen und die eigene Sichtweise zu hinterfragen.

Gerade im Zusammenleben in unseren Wohngruppen können solche Reflexionsprozesse eine wichtige Rolle spielen.

Langjährige Erfahrung und qualifizierte Enneagramm-Lehrer

Die Arbeit mit dem Enneagramm hat in der Weißen Villa Harz eine lange Tradition. Gabriele und Christoph Spamer haben das Enneagramm im Rahmen von Weiterbildungen kennengelernt und anschließend eine mehrjährige Ausbildung zum Enneagramm-Lehrer beziehungsweise zur Enneagramm-Lehrerin absolviert. Gemeinsam mit weiteren Absolventinnen und Absolventen waren sie an der Gründung des Deutschen Enneagramm Zentrums in Wernigerode beteiligt.

Inzwischen wurde diese fachliche Kompetenz innerhalb unserer Einrichtung weiter ausgebaut. Auch Marcel Günther, Internatsleitung, und Cettina Zschau, Gruppenleitung der Wohngruppe Alte Apotheke, wurden durch das Deutsche Enneagramm Zentrum ausgebildet und sind anerkannte Enneagramm-Lehrer.

Damit ist die Arbeit mit dem Enneagramm nicht nur historisch mit der Entwicklung unserer Einrichtung verbunden, sondern auch in der heutigen pädagogischen Arbeit und auf unterschiedlichen Leitungsebenen verankert.

Die langjährige Erfahrung und die kontinuierliche Qualifizierung ermöglichen es uns, das Enneagramm gezielt als Arbeits- und Reflexionsmodell einzusetzen. Dabei nutzen wir es insbesondere zur Schärfung der Selbstreflexion und Eigenwahrnehmung sowie zum Erkennen und Verstehen bisheriger Verhaltensstrategien. Darauf aufbauend können gemeinsam alternative Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten entwickelt und im Alltag erprobt werden.

Ein Arbeitsmodell – keine psychologische Diagnostik

Trotz seines hohen Stellenwertes in unserer Arbeit verwenden wir das Enneagramm nicht als Ersatz für psychologische oder psychiatrische Diagnostik.

Für uns ist es vor allem ein Arbeits- und Reflexionsmodell, mit dessen Hilfe wir gemeinsam mit jungen Menschen Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster betrachten können. Es wird dabei mit weiteren pädagogischen und therapeutischen Ansätzen verbunden und entsprechend der individuellen Situation und dem Hilfebedarf eingesetzt.

So fügt sich die Arbeit mit dem Enneagramm in unser Gesamtkonzept aus Pädagogik, Therapie und Schule ein.

Weitere Informationen finden Sie unter Therapie in der stationären Jugendhilfe.