Schulverweigerung bei Jugendlichen kann sich sehr unterschiedlich entwickeln. Manche junge Menschen fehlen zunächst einzelne Stunden oder Tage, andere können über einen längeren Zeitraum nicht mehr regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Schulangst, psychische Belastungen, negative schulische Erfahrungen, Überforderung oder andere persönliche und soziale Schwierigkeiten können dabei eine Rolle spielen.
In der Weißen Villa Harz betrachten wir schulische Schwierigkeiten deshalb nicht isoliert. Als Einrichtung der stationären Jugendhilfe verbinden wir Pädagogik, Therapie und Schule, um gemeinsam mit dem jungen Menschen eine tragfähige persönliche und schulische Perspektive zu entwickeln.
Wenn der regelmäßige Schulbesuch nicht mehr gelingt
Schulvermeidung beginnt nicht immer mit einer vollständigen Schulverweigerung. Zunehmende Fehlzeiten, häufiges Zuspätkommen, körperliche Beschwerden vor dem Schulbesuch, Ängste, Rückzug oder eine immer stärkere Ablehnung schulischer Situationen können unterschiedliche Ausdrucksformen sein.
Bei anderen jungen Menschen ist der Schulbesuch bereits über einen längeren Zeitraum unterbrochen. Auch nach längeren kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlungen kann die Rückkehr in einen regelmäßigen schulischen Alltag eine besondere Herausforderung darstellen.
Entscheidend ist für uns deshalb zunächst die Frage, warum der Schulbesuch aktuell nicht oder nur eingeschränkt gelingt.
Schulangst und Schulverweigerung können unterschiedliche Hintergründe haben
Hinter Schulverweigerung bei Jugendlichen steht nicht zwangsläufig eine einzelne Ursache. Persönliche Entwicklung, psychische Belastungen, schulische Erfahrungen, familiäre und soziale Situationen sowie Lern- und Leistungsanforderungen können miteinander zusammenwirken.
Deshalb geht es nicht ausschließlich darum, einen jungen Menschen möglichst schnell wieder in einen Klassenraum zu bringen.
Vielmehr betrachten wir gemeinsam, welche Belastungen bestehen, welche Ressourcen vorhanden sind und welche pädagogischen, therapeutischen und schulischen Unterstützungsangebote benötigt werden.
Schulverweigerung bei Jugendlichen verstehen
Wenn schulische Schwierigkeiten Teil eines umfassenderen Hilfebedarfs sind, kann eine stationäre Jugendhilfe einen Entwicklungsrahmen bieten, in dem unterschiedliche Lebensbereiche gemeinsam betrachtet werden.
In der Weißen Villa Harz gehören dazu insbesondere:
- ein strukturierter und verlässlicher Alltag,
- pädagogische Begleitung in den Wohngruppen,
- individuelle therapeutische Unterstützung,
- Bedarfsanalyse und psychologische Diagnostik,
- schulische Förderung,
- Eltern- und Familienarbeit sowie
- die Entwicklung persönlicher, schulischer und beruflicher Perspektiven.
Schule wird damit nicht als einzelnes Problemfeld behandelt. Schulische Entwicklung ist Bestandteil des gesamten Hilfeprozesses.
Schulverweigerung verstehen statt nur auf Anwesenheit schauen
Bei länger andauernder Schulverweigerung ist für uns nicht allein entscheidend, ob ein junger Mensch die Schule besucht. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Erfahrungen, Ängste, Belastungen oder bisherigen Bewältigungsstrategien mit der schulischen Situation verbunden sind.
Gemeinsam mit dem jungen Menschen können bisherige Verhaltensstrategien betrachtet und alternative Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden.
Dabei werden schulische Anforderungen und persönliche Belastbarkeit aufeinander bezogen. Entwicklungsschritte können entsprechend dem individuellen Hilfebedarf angepasst und im weiteren Verlauf überprüft werden.
Therapie und Diagnostik bei Schulangst und Schulvermeidung
Schulverweigerung bei Jugendlichen kann ebenso wie Schulangst mit unterschiedlichen psychischen und persönlichen Belastungen verbunden sein. Deshalb können therapeutische Begleitung und Diagnostik wichtige Bestandteile des Hilfeprozesses sein.
Unsere Bedarfsanalyse berücksichtigt unterschiedliche Lebensbereiche. Je nach Fragestellung können auch psychologische diagnostische Verfahren einbezogen werden, beispielsweise in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration, Leistung, Intelligenz oder psychische Belastungen.
Bei kinder- und jugendpsychiatrischen Fragestellungen arbeiten wir mit entsprechenden externen Fachkräften zusammen.
Diagnostische Erkenntnisse werden dabei nicht isoliert betrachtet. Sie werden – soweit sie für den Hilfeprozess relevant sind – mit den Erfahrungen aus Pädagogik, Therapie und Schule zusammengeführt.
Schulische Reintegration mit „9xKlug“
Wenn der kontinuierliche Besuch einer Regelschule vorübergehend nicht möglich ist, steht mit unserer Reintegrativen Einrichtungsbeschulung „9xKlug“ ein geschützter schulischer Rahmen zur Verfügung.
Hier kann schulisches Lernen unter Berücksichtigung der individuellen Situation und Belastbarkeit wieder stärker in den Alltag integriert werden.
Dabei geht es nicht ausschließlich um die Vermittlung von Unterrichtsinhalten. Ebenso wichtig können der Aufbau verlässlicher schulischer Strukturen, positive Lernerfahrungen, die Auseinandersetzung mit bestehenden Schwierigkeiten und die Entwicklung einer realistischen schulischen Perspektive sein.
Ziel ist es, die Voraussetzungen dafür zu entwickeln, dass eine schrittweise Reintegration in geeignete schulische Strukturen möglich werden kann.



Schrittweise eine neue schulische Perspektive entwickeln
Die Entwicklung bei Schulangst oder länger andauernder Schulverweigerung verläuft nicht bei jedem jungen Menschen gleich.
Während bei einem Jugendlichen zunächst Stabilisierung und die Wiederaufnahme regelmäßiger Lernzeiten im Vordergrund stehen können, kann bei einem anderen bereits die schrittweise Rückkehr in eine geeignete Schule vorbereitet werden.
Deshalb orientieren wir schulische Entwicklungsschritte am individuellen Hilfebedarf und stimmen sie mit der pädagogischen und therapeutischen Begleitung ab.
Auch Rückschritte oder erneute Belastungen können Teil eines Entwicklungsprozesses sein und werden in die weitere Planung einbezogen.
Zusammenarbeit mit Eltern, Schule und Jugendamt
Eine tragfähige schulische Perspektive entsteht häufig nicht durch eine einzelne Maßnahme. Deshalb ist die Zusammenarbeit der beteiligten Personen und Institutionen von besonderer Bedeutung.
Eltern und wichtige Bezugspersonen werden entsprechend der individuellen Hilfeplanung in den Prozess einbezogen. Gleichzeitig können Abstimmungen mit Schulen, Jugendämtern und weiteren beteiligten Fachstellen erforderlich sein.
Auf diese Weise können schulische Entwicklung, persönliche Stabilisierung und die weitere Hilfeplanung miteinander verbunden werden.
Schulverweigerung bei Jugendlichen – Informationen für Eltern
Wenn ein Kind oder Jugendlicher über längere Zeit nicht mehr regelmäßig zur Schule geht, entstehen häufig viele Fragen: Was steckt hinter der Schulverweigerung bei Jugendlichen? Welche Unterstützung ist notwendig? Reichen ambulante Hilfen noch aus? Wie kann eine Rückkehr in Schule gelingen?
Eine stationäre Unterbringung ist dabei nicht automatisch die richtige Antwort auf Schulverweigerung. Entscheidend ist der gesamte individuelle Hilfebedarf.
Wenn über die schulischen Schwierigkeiten hinaus ein entsprechender pädagogischer, therapeutischer oder psychosozialer Unterstützungsbedarf besteht, kann gemeinsam mit dem zuständigen Jugendamt geprüft werden, welche Form der Hilfe geeignet ist.
Informationen für Jugendämter und fallzuständige Fachkräfte
Die Weiße Villa Harz bietet 62 stationäre Plätze in Wernigerode. Aufnahmen sind grundsätzlich für Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren möglich. Eine Fortführung der Betreuung über die Volljährigkeit hinaus kann entsprechend dem individuellen Hilfebedarf und den gesetzlichen Voraussetzungen möglich sein.
Aufnahmen erfolgen bundesweit in Zusammenarbeit mit Jugendämtern.
Bei einer Platzanfrage prüfen wir individuell, ob unser pädagogisch-therapeutisches und schulisches Angebot zum Hilfebedarf des jungen Menschen passt und welche Wohngruppe beziehungsweise Betreuungsform geeignet sein kann.
Weitere Informationen finden Sie unter Zielgruppe, Schule und schulische Förderung, Reintegrative Einrichtungsbeschulung „9xKlug“, Therapie, Diagnostik, Aufnahmeverfahren und Freie Plätze.

