Unsere Reintegrative Einrichtungsbeschulung „9xKlug“ bietet jungen Menschen der Weißen Villa Harz einen geschützten und individuell gestalteten schulischen Rahmen, wenn der kontinuierliche Besuch einer Regelschule vorübergehend nicht möglich ist.
Sie richtet sich insbesondere an junge Menschen mit Schulabsentismus oder anderen schulischen Belastungen, deren Schulbiografie beispielsweise durch längere Klinikaufenthalte, Schulangst, Schulvermeidung, länger andauernde Schulverweigerung, erhebliche Wissenslücken oder besondere psychische und persönliche Belastungen unterbrochen wurde.
Ziel ist es, die jungen Menschen schulisch zu stabilisieren, ihre Lern- und Leistungsfähigkeit individuell zu fördern und schrittweise eine tragfähige Perspektive für den weiteren Schulbesuch zu entwickeln. Wo es möglich und geeignet ist, wird die Reintegration in das Regelschulsystem vorbereitet und begleitet.
Die Einrichtungsbeschulung besteht seit dem Schuljahr 2013/14 und ist Bestandteil des sozial- und lerntherapeutischen Gesamtkonzeptes der Weißen Villa Harz. Schule wird dabei nicht isoliert betrachtet: Pädagogik, Therapie und schulische Förderung greifen eng ineinander.
Für wen ist die Einrichtungsbeschulung geeignet?

Die Idee zur Reintegrativen Einrichtungsbeschulung entstand aus einem zunehmenden Bedarf innerhalb unserer Einrichtung. Für einen Teil der jungen Menschen, die in der Weißen Villa Harz aufgenommen werden und leben, ist eine kontinuierliche Beschulung im Klassenverband einer unserer Kooperationsschulen aufgrund ihrer aktuellen Situation zunächst nicht möglich.
Gründe dafür können beispielsweise längere Klinikaufenthalte, erhebliche Wissenslücken trotz guter Begabung, Ängste im schulischen Kontext oder hohe persönliche und psychische Belastungen sein.
Diese jungen Menschen benötigen vorübergehend einen geschützten und überschaubaren schulischen Rahmen. Dieser soll ihnen ermöglichen, sich zu stabilisieren, vorhandene Fähigkeiten wiederzuentdecken, Lernrückstände aufzuarbeiten und sich schrittweise ihrem tatsächlichen Leistungsniveau anzunähern.
Die Einrichtungsbeschulung ist dabei nicht als dauerhafter Ersatz für die Regelschule gedacht. Sie schafft vielmehr einen individuell gestalteten Übergang mit dem Ziel, eine weitere Beschulung im Regelschulsystem wieder zu ermöglichen und nachhaltig zu stabilisieren.
Einrichtungsbeschulung in Zusammenarbeit mit Stammschule und Schulbehörde
Die Reintegrative Einrichtungsbeschulung kann in unterschiedlichen Phasen der Betreuung zum Einsatz kommen. Sie wird in enger Abstimmung mit der jeweiligen Stammschule und den zuständigen schulischen Stellen durchgeführt.
Bereits seit vielen Jahren konnten junge Menschen aus der Weißen Villa Harz gemeinsam mit unseren Kooperationsschulen erfolgreich wieder in den regulären Schulalltag integriert werden.
Mit „9xKlug“ bestehen zusätzliche Möglichkeiten, den schulischen Übergang individuell vorzubereiten und die jungen Menschen entsprechend ihrer Entwicklung und Belastbarkeit schrittweise an den Regelschulbetrieb heranzuführen.
Gesetzliche Grundlage für unsere Schule „9xKlug“ bildet § 1 Abs. 2 des Schulgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt: Benachteiligungen von Menschen (z. B. Gefahr einer seelischen Behinderung) sind auszugleichen und ihnen ist eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.
Die Einrichtungsbeschulung kann in jeder Phase der Betreuung angeboten werden und wird in enger Absprache mit der jeweiligen Stammschule und dem Landesschulamt durchgeführt. Bereits schon seit vielen Jahren konnten junge Menschen aus der Weißen-Villa-Harz mithilfe der engagierten Kooperationsschulen erfolgreich wieder in den regulären Schulalltag integriert werden – nun gibt es hier aber noch mehr Möglichkeiten und einen größeren Handlungsspielraum, um den Übergang in den Regelschulbetrieb bestmöglich zu gestalten.
Ziele der Reintegrativen Einrichtungsbeschulung
Übergeordnetes Ziel von „9xKlug“ ist die Wiederherstellung und Stabilisierung der Schulfähigkeit der jungen Menschen und die Entwicklung einer tragfähigen schulischen Perspektive.
Zu den wesentlichen Zielen gehören:
- die vollständige Reintegration in das bestehende Regelschulsystem,
- die Sicherung des Verbleibs im Regelschulsystem,
- das Erlangen eines den individuellen Ressourcen entsprechenden Schulabschlusses,
- die Förderung der Fähigkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe im Sinne der Inklusion.
Der Weg dorthin orientiert sich an der individuellen Situation und Entwicklung des jeweiligen jungen Menschen.
Schritt für Schritt zurück in den Schulalltag – unser Phasenmodell
Die Reintegrative Einrichtungsbeschulung ist in vier Phasen gegliedert.
Nach der Aufnahme erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme der individuellen schulischen Ausgangssituation. Darauf aufbauend wird die weitere Beschulung geplant und schrittweise eine geeignete schulische Perspektive entwickelt.
Die Verweildauer in den einzelnen Phasen richtet sich nach der individuellen Entwicklung und Belastbarkeit des jungen Menschen. Ein starrer zeitlicher Ablauf ist daher nicht vorgesehen.
In Einzelfällen kann eine Phase übersprungen werden. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, kann beispielsweise nach der Bestandsaufnahme unmittelbar eine Integration in die Stammschule erfolgen.

Abb. 1 Beschulungs-Phasenmodell der Reintegrativen Einrichtungsbeschulung „9xKlug“
So gestaltet sich der Schulalltag bei „9xKlug“
Die Reintegrative Einrichtungsbeschulung findet von Montag bis Freitag im Vormittagsbereich von 08:00 bis 13:30 Uhr statt.
Der Tagesablauf orientiert sich an einer individuellen Stundentafel. Neben den Hauptfächern können dabei auch Interessen und Lieblingsfächer der jungen Menschen berücksichtigt werden. Der Unterricht findet grundsätzlich in Doppelstunden statt und orientiert sich damit an den Strukturen der Regelschulen. Gleichzeitig kann flexibel auf die individuelle Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit reagiert werden. Bei Bedarf werden Unterrichtseinheiten gezielt durch Pausen unterbrochen.

Im Anschluss an den Unterricht und die gemeinsame Reflexion findet die Hausaufgaben- und Lernzeit der Schülerinnen und Schüler der Reintegrativen Einrichtungsbeschulung in den Schulräumen im Kiefernweg statt.
Auch nach der Rückkehr in die Wohngruppe bleibt schulisches Lernen Bestandteil der Tagesstruktur. Die jungen Menschen werden während der Lernzeit von den pädagogischen Fachkräften der Wohngruppe und nach Möglichkeit zusätzlich von Mitarbeitenden der Einrichtungsbeschulung begleitet.
Dadurch werden schulische Förderung und pädagogischer Alltag miteinander verbunden.
Ein Blick in unseren Schulalltag
Individuelle Förderung und Methoden
Die schulische Förderung orientiert sich am individuellen Leistungsstand, den bisherigen schulischen Erfahrungen und der aktuellen Belastbarkeit des jungen Menschen.
Neben der Vermittlung schulischer Inhalte geht es darum, Lernmotivation, Selbstständigkeit, soziale Fähigkeiten und den konstruktiven Umgang mit schulischen Anforderungen zu fördern.
In der Reintegrativen Einrichtungsbeschulung kommen unter anderem folgende Methoden zum Einsatz:
- Vermittlung von Kommunikationsmodellen und deren adäquaten Anwendung
- Erarbeitung und Durchführung konstruktiver Konfliktlösungsmöglichkeiten
- Nutzung von Spielen zur Förderung in allen Bereichen
- Erarbeitung und Anwendung von Selbst- und Fremdreflexionsbögen
- Projektarbeit
- Vermittlung von Lerntechniken und -methoden
- bewegungsbezogene Förderung
- Anwendung von Entspannungsprogrammen wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Phantasiereisen in Anlehnung an Autogenes Training nach Petermann
Ergänzend zu den Beschulungseinheiten bietet „9xKlug“ ein individuelles Kompetenztraining zur ganzheitlichen Förderung.
Dieses kann neben der Förderung sozialer Kompetenzen auch motorische, kreative, handwerkliche, hauswirtschaftliche und berufspraktische Bereiche umfassen.
Pädagogik, Therapie und Schule greifen ineinander
Schulische Schwierigkeiten lassen sich nicht immer allein im Unterricht lösen. Persönliche und psychische Belastungen, Erfahrungen im sozialen und familiären Umfeld oder längere Unterbrechungen der Schullaufbahn können erheblichen Einfluss darauf haben, ob schulisches Lernen gelingt.
Deshalb ist „9xKlug“ eng in das Gesamtkonzept der Weißen Villa Harz eingebunden.
Pädagogik, Therapie und Schule greifen ineinander und betrachten die Entwicklung des jungen Menschen aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven.
Die pädagogischen Fachkräfte begleiten den Alltag und schaffen verlässliche Strukturen und Beziehungen. Therapeutische Angebote können bei der Bearbeitung individueller Belastungen und Entwicklungsaufgaben unterstützen. Der schulische Bereich schafft einen Rahmen, in dem Lernen wieder möglich und eine schulische Perspektive entwickelt werden kann.
Durch den fachlichen Austausch können Entwicklungen in den unterschiedlichen Lebensbereichen gemeinsam betrachtet und Unterstützungsangebote aufeinander abgestimmt werden.
Damit ist Schule bei uns nicht als isolierter Bereich zu verstehen, sondern als Bestandteil des gesamten Hilfe- und Entwicklungsprozesses.
Informationen für Jugendämter und fallzuständige Fachkräfte
Die schulische Situation kann bei der Auswahl einer geeigneten stationären Jugendhilfemaßnahme eine zentrale Rolle spielen – insbesondere dann, wenn ein junger Mensch bereits längere Zeit nicht regelmäßig am Unterricht teilgenommen hat oder eine unmittelbare Integration in eine Regelschule aktuell nicht möglich erscheint.
Bei einer möglichen Aufnahme in die Weiße Villa Harz betrachten wir deshalb neben dem pädagogischen und therapeutischen Unterstützungsbedarf auch die schulische Ausgangssituation.
Im Rahmen einer Platzanfrage kann gemeinsam geklärt werden, welche schulische Situation besteht, welche Perspektive angestrebt wird und welche Möglichkeiten innerhalb unseres Gesamtkonzeptes aus Pädagogik, Therapie und Schule bestehen.
Für eine erste Einschätzung können insbesondere Informationen zur bisherigen Schullaufbahn, zur aktuell bzw. zuletzt besuchten Schule, zu Fehlzeiten, zum Leistungsstand sowie zu bisherigen schulischen Unterstützungsmaßnahmen hilfreich sein.
Fragen zur Beschulung oder eine Platzanfrage?
Sie prüfen die Aufnahme eines jungen Menschen in der Weißen Villa Harz und die schulische Situation spielt bei der Hilfeplanung eine besondere Rolle?
Sprechen Sie uns bereits bei der Platzanfrage darauf an. Gemeinsam kann geprüft werden, welche schulischen Möglichkeiten im konkreten Einzelfall bestehen und ob unser Gesamtkonzept einen geeigneten Rahmen bieten kann.

