Die Systemische Familientherapie betrachtet den jungen Menschen nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit seinen Beziehungen, Erfahrungen und seinem sozialen Umfeld. Familiäre Beziehungen und bisher entwickelte Verhaltens- und Bewältigungsmuster können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Im Rahmen der therapeutischen Begleitung geht es darum, solche Zusammenhänge gemeinsam zu betrachten, vorhandene Ressourcen wahrzunehmen und neue Sichtweisen sowie Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Systemische Familientherapie in der stationären Jugendhilfe
In der stationären Jugendhilfe können sich durch die räumliche Trennung vom bisherigen Lebensumfeld neue Möglichkeiten ergeben, familiäre Beziehungen und wiederkehrende Muster aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Die therapeutische Arbeit berücksichtigt dabei nicht nur bestehende Schwierigkeiten. Ebenso wichtig sind vorhandene Fähigkeiten, tragfähige Beziehungen und Ressourcen des jungen Menschen und seines sozialen Umfeldes.
Die Systemische Familientherapie kann dazu beitragen, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen, Zusammenhänge besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang miteinander zu entwickeln.
Familiäre Beziehungen und systemische Zusammenhänge verstehen
Verhaltensweisen entstehen nicht unabhängig von bisherigen Erfahrungen und Beziehungen. Deshalb können in der therapeutischen Arbeit unter anderem familiäre Rollen, Beziehungsmuster, Erwartungen, Konflikte und wiederkehrende Erfahrungen betrachtet werden.
Ziel ist nicht, einzelnen Familienmitgliedern Verantwortung für bestehende Schwierigkeiten zuzuschreiben. Vielmehr sollen Wechselwirkungen und unterschiedliche Perspektiven verständlicher werden.
Dadurch können junge Menschen lernen, eigene Reaktionen und Verhaltensweisen besser einzuordnen und alternative Möglichkeiten für den Umgang mit belastenden Situationen zu entwickeln.
Genogrammarbeit in der Familientherapie
Bei Bedarf kann gemeinsam mit dem jungen Menschen ein Genogramm erarbeitet werden. Ein Genogramm stellt familiäre Beziehungen und Strukturen über mehrere Generationen grafisch dar und geht damit über einen klassischen Familienstammbaum hinaus.
Dabei können beispielsweise wichtige Bezugspersonen, Beziehungen, wiederkehrende Konstellationen und prägende familiäre Erfahrungen sichtbar gemacht werden.
Das Genogramm kann helfen, Zusammenhänge gemeinsam zu betrachten und die eigene Lebensgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu reflektieren.
Erlebnisorientierte Methoden
Ergänzend können erlebnisorientierte Methoden eingesetzt werden. Dazu können beispielsweise Familienskulpturen oder andere Formen der räumlichen Darstellung von Beziehungen und Konstellationen gehören.
Beziehungen, Nähe und Distanz sowie unterschiedliche Perspektiven können dadurch anschaulich und erlebbar werden. Die gewonnenen Eindrücke können anschließend gemeinsam reflektiert und in den weiteren therapeutischen Prozess einbezogen werden.
Welche Methoden eingesetzt werden, richtet sich nach der individuellen Situation und dem therapeutischen Unterstützungsbedarf des jungen Menschen.
Familienarbeit im Hilfeprozess
Familien und wichtige Bezugspersonen können entsprechend der individuellen Situation und der vereinbarten Hilfeplanung in Entwicklungsprozesse einbezogen werden.
Dabei kann es darum gehen, gegenseitige Sichtweisen besser zu verstehen, vorhandene Ressourcen zu stärken, belastende Beziehungsmuster zu reflektieren und gemeinsam tragfähige Perspektiven zu entwickeln.
Die Systemische Familientherapie ist dabei Teil der therapeutischen Arbeit innerhalb unseres Gesamtkonzeptes. Pädagogische Begleitung, Therapie und Schule werden entsprechend dem individuellen Hilfebedarf miteinander verbunden.

