Diagnostik in der stationären Jugendhilfe

Die Diagnostik in der stationären Jugendhilfe ist in der Weißen Villa Harz eng mit einer kontinuierlichen Bedarfsanalyse verbunden. Ziel ist es, die individuelle Situation eines jungen Menschen möglichst differenziert zu verstehen und daraus passende pädagogische, therapeutische und schulische Unterstützungsangebote abzuleiten.

Dabei betrachten wir nicht nur Schwierigkeiten und Belastungen. Ebenso wichtig sind vorhandene Fähigkeiten, Ressourcen, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Bedarfsanalyse als Grundlage der Hilfe

Bereits zu Beginn der Betreuung wird betrachtet, in welchen Lebensbereichen ein junger Mensch Unterstützung benötigt. Dabei werden pädagogische, therapeutische und schulische Fragestellungen ebenso berücksichtigt wie die persönliche und soziale Situation.

Auch das Familiensystem wird in die Bedarfsanalyse einbezogen. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, welche Inhalte und welche Intensität der Eltern- und Familienarbeit im weiteren Hilfeverlauf sinnvoll sind.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Hilfeplanung ein und werden mit den am Hilfeprozess Beteiligten abgestimmt.

Diagnostik in der stationären Jugendhilfe als fortlaufender Prozess

Der Unterstützungsbedarf eines jungen Menschen kann sich während der Betreuung verändern. Deshalb verstehen wir Bedarfsanalyse und Diagnostik nicht als einmalige Aufgabe zu Beginn einer Hilfe.

Im weiteren Verlauf werden Entwicklungen regelmäßig betrachtet und neue Fragestellungen aufgegriffen. Dadurch können pädagogische, therapeutische und schulische Maßnahmen angepasst und individuelle Ziele weiterentwickelt werden.

Diagnostische Verfahren können deshalb je nach Fragestellung und Hilfebedarf in unterschiedlichen Phasen der Betreuung eingesetzt werden.

Psychologische Diagnostik in unserer Einrichtung

Psychologische Fragestellungen und Testverfahren werden in der Weißen Villa Harz von Karin Morgenroth, Psychologin, und Saskia Fröhlich, Diplom-Pädagogin mit Ausbildungen in Systemischer Therapie und Traumapädagogik, bearbeitet.

Je nach individueller Fragestellung können unterschiedliche diagnostische Verfahren eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Verfahren aus den Bereichen Intelligenz, Leistung, Aufmerksamkeit und Konzentration sowie Verfahren zur Erfassung psychischer Belastungen und zur Verlaufsbeobachtung, darunter die SCL-90R.

Die Ergebnisse werden nicht isoliert betrachtet. Vielmehr werden sie mit weiteren Erkenntnissen aus dem pädagogischen, therapeutischen und schulischen Alltag zusammengeführt und für die weitere Hilfeplanung und Begleitung genutzt.

Psychiatrische Fragestellungen und Kooperation

Bei kinder- und jugendpsychiatrischen Fragestellungen arbeiten wir mit Frau Dr. Roland, Kinder- und Jugendpsychiaterin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, zusammen.

Liegt bei der Aufnahme noch keine ausreichende psychiatrische Diagnostik vor oder ergibt sich im weiteren Hilfeverlauf ein entsprechender Abklärungsbedarf, kann eine psychiatrische Diagnostik in Kooperation veranlasst werden.

Darüber hinaus arbeitet die Weiße Villa Harz entsprechend dem individuellen Bedarf mit weiteren Ärztinnen und Ärzten, Facharztpraxen, Kliniken sowie therapeutischen und psychosozialen Angeboten zusammen. So können bei Bedarf zusätzliche medizinische oder therapeutische Fachbereiche in die Versorgung und Begleitung eines jungen Menschen einbezogen werden.

Diagnostische Erkenntnisse werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern – soweit für den Hilfeprozess relevant – mit den Erkenntnissen aus Pädagogik, Therapie und Schule zusammengeführt.

So bleiben die unterschiedlichen fachlichen Zuständigkeiten klar voneinander abgegrenzt, während relevante Erkenntnisse aus der psychologischen Testdiagnostik und der kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnostik in die weitere Hilfeplanung und Begleitung einfließen können.

Leistungs-, Intelligenz- und Aufmerksamkeitsdiagnostik

Diagnostische Verfahren können eingesetzt werden, um Fähigkeiten und Fertigkeiten eines jungen Menschen differenzierter zu betrachten. Dazu gehören beispielsweise Intelligenz, Aufmerksamkeit und Konzentration sowie Lern- und Arbeitsverhalten.

Dadurch können sowohl Unterstützungsbedarfe als auch kognitive Ressourcen und besondere Begabungen sichtbar werden.

Die Ergebnisse können anschließend in die weitere pädagogische, therapeutische und schulische Begleitung einfließen.

Schulische Diagnostik und Förderung

Auch schulische Fragestellungen spielen eine wichtige Rolle. Unterschiedliche diagnostische Verfahren können dabei helfen, den schulischen Leistungsstand sowie individuelle Stärken und Förderbedarfe genauer einzuschätzen.

Auf dieser Grundlage können schulische Anforderungen und Unterstützungsangebote besser auf die Situation des jungen Menschen abgestimmt werden.

Damit besteht eine enge Verbindung zwischen Diagnostik und unserer schulischen Förderung.

Verlaufsdiagnostik und individuelle Entwicklung

Diagnostische Verfahren können außerdem genutzt werden, um Entwicklungen während der Betreuung zu betrachten. Dabei können beispielsweise subjektiv erlebte psychische und körperliche Belastungen erfasst und Veränderungen über einen längeren Zeitraum nachvollzogen werden.

Je nach individueller Fragestellung können weitere diagnostische Verfahren hinzugezogen werden, um zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und das vorhandene Bild des jungen Menschen zu ergänzen.

Berufsorientierung und Zukunftsplanung

Diagnostik kann auch die berufliche Orientierung unterstützen. Berufsbezogene Verfahren können dabei helfen, Interessen, Fähigkeiten und persönliche Voraussetzungen genauer zu betrachten.

Die gewonnenen Erkenntnisse können beispielsweise bei der Auswahl von Praktika, möglichen Ausbildungswegen und weiteren beruflichen Perspektiven berücksichtigt werden. Bei Bedarf kann dies mit weiteren Angeboten, etwa einer Beratung durch die Agentur für Arbeit, verbunden werden.

Von der Diagnostik zur individuellen Unterstützung

Für uns endet Diagnostik nicht mit einem Testergebnis. Entscheidend ist vielmehr, wie die gewonnenen Erkenntnisse für die weitere Entwicklung des jungen Menschen genutzt werden können.

Die Ergebnisse werden deshalb mit Beobachtungen und Erfahrungen aus dem pädagogischen, therapeutischen und schulischen Alltag zusammengeführt. Daraus können konkrete Unterstützungsbedarfe, Ziele und weitere Maßnahmen abgeleitet werden.

Die Diagnostik in der stationären Jugendhilfe ist damit ein wichtiger Bestandteil unseres Gesamtkonzeptes. Bedarfsanalyse und diagnostische Erkenntnisse werden mit den Erfahrungen aus Pädagogik, Therapie und Schule zusammengeführt und unterstützen eine am individuellen Hilfebedarf orientierte Hilfeplanung.

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