
Die Therapie in der stationären Jugendhilfe ist ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes der Weißen Villa Harz. Pädagogische Begleitung, therapeutische Unterstützung und schulische Förderung werden dabei nicht als voneinander getrennte Bereiche verstanden, sondern entsprechend dem individuellen Hilfebedarf miteinander verbunden.
Junge Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen, Belastungen, Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten mit. Die therapeutische Begleitung orientiert sich deshalb an der individuellen Situation und persönlichen Entwicklung des jungen Menschen.
Ziel ist es, gemeinsam vorhandene Ressourcen zu stärken, belastende Erfahrungen und Verhaltensmuster zu reflektieren und hilfreiche Strategien für den Umgang mit persönlichen und alltäglichen Herausforderungen zu entwickeln.
Therapeutische Begleitung als Teil des Gesamtkonzeptes
Therapeutische Arbeit findet in der Weißen Villa Harz nicht losgelöst vom Alltag des jungen Menschen statt. Sie ist eng mit der pädagogischen Begleitung in den Wohngruppen und – entsprechend dem individuellen Bedarf – mit der schulischen Förderung verbunden.
Erfahrungen und Entwicklungen aus unterschiedlichen Lebensbereichen können dadurch gemeinsam betrachtet werden. Gleichzeitig können therapeutisch erarbeitete Strategien im Alltag aufgegriffen, erprobt und weiter gefestigt werden.
Das Zusammenspiel von Pädagogik, Therapie und Schule ermöglicht es, persönliche, soziale und schulische Entwicklungen miteinander in Beziehung zu setzen und die Begleitung entsprechend dem individuellen Hilfebedarf zu gestalten.
Individuelle therapeutische Begleitung
Die therapeutische Begleitung orientiert sich an der persönlichen Situation, der Lebensgeschichte und dem individuellen Hilfebedarf des jungen Menschen. Dabei betrachten wir Schwierigkeiten und Verhaltensweisen nicht isoliert, sondern auch im Zusammenhang mit bisherigen Erfahrungen und der aktuellen Lebenssituation.
Verhaltens- und Bewältigungsstrategien können in früheren Lebenssituationen hilfreich oder notwendig gewesen sein, unter veränderten Bedingungen jedoch zu Schwierigkeiten führen. Im therapeutischen Prozess können solche Zusammenhänge gemeinsam reflektiert und alternative Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden.
Dabei stehen nicht ausschließlich Belastungen im Mittelpunkt. Ebenso wichtig sind vorhandene Fähigkeiten, persönliche Ressourcen und bereits erreichte Entwicklungsschritte.
Therapie im Alltag der stationären Jugendhilfe
Ein wichtiger Bestandteil der Therapie in der stationären Jugendhilfe ist die Verbindung therapeutischer Prozesse mit den Erfahrungen des täglichen Lebens. Der Alltag in den Wohngruppen bietet vielfältige Situationen, in denen neue Handlungsmöglichkeiten erprobt und persönliche Entwicklungen sichtbar werden können.
Pädagogische und therapeutische Fachkräfte betrachten diese Erfahrungen aus ihren jeweiligen fachlichen Perspektiven und stimmen die Begleitung entsprechend dem individuellen Hilfebedarf aufeinander ab.
Dadurch können Erkenntnisse aus therapeutischen Prozessen im Alltag aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Umgekehrt können Erfahrungen aus Schule, Wohngruppe, Familie und sozialem Umfeld wichtige Themen für die weitere therapeutische Begleitung liefern.
Therapeutische Ansätze und Methoden
Entsprechend dem individuellen Hilfebedarf können unterschiedliche therapeutische Ansätze und Methoden in die Begleitung einfließen. Die Auswahl und Gestaltung orientieren sich an der persönlichen Situation und den jeweiligen Entwicklungszielen des jungen Menschen.
Zu den in unserer Arbeit eingesetzten Ansätzen und Methoden gehören unter anderem:
- Systemische Familientherapie
- Verhaltenstherapie
- Dialektisch-Behaviorale Therapie für Jugendliche (DBT-A)
- Traumatherapie
- Integrative Gestalttherapie
- Psychodrama
- Kunsttherapie
- tiergestützte Therapie
- Entspannungstherapie
Als ergänzendes Reflexions- und Arbeitsmodell nutzen wir unter anderem das Enneagramm.
Therapie im Verlauf der Hilfe
Art und Intensität der therapeutischen Begleitung können sich im Verlauf der stationären Hilfe verändern. Maßgeblich sind der individuelle Hilfebedarf, die persönliche Entwicklung und die jeweiligen Anforderungen der aktuellen Lebenssituation.
Auch mit zunehmender Verselbstständigung bleibt therapeutische Begleitung ein wichtiger Bestandteil der Hilfe. Neue Anforderungen und eine wachsende Eigenverantwortung können Unsicherheiten oder vorübergehende Rückschritte mit sich bringen. In solchen Situationen kann es erforderlich sein, pädagogische und therapeutische Unterstützung entsprechend dem individuellen Bedarf anzupassen oder zeitweise zu intensivieren.
Im weiteren Verlauf geht es zunehmend darum, entwickelte Strategien zu stabilisieren und auf neue Lebenssituationen zu übertragen. Die jungen Menschen sollen darin unterstützt werden, persönliche Herausforderungen zunehmend eigenständig zu bewältigen und bei Bedarf selbstständig geeignete Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Wie sich pädagogische und therapeutische Begleitung im Verlauf der Hilfe entwickelt, beschreibt unser Phasenmodell der Jugendhilfe.

