Die tiergestützte Therapie und tiergestützte Arbeit ergänzen die pädagogischen und therapeutischen Angebote der Weißen Villa Harz. Der Kontakt zu Tieren kann jungen Menschen besondere Möglichkeiten für Begegnung, Wahrnehmung, Kommunikation und gemeinsames Lernen eröffnen.
Dabei können sowohl gezielte Angebote als auch alltägliche Begegnungen mit den Tieren eine Rolle spielen. Entscheidend sind immer die individuelle Situation des jungen Menschen sowie ein respektvoller und artgerechter Umgang mit dem Tier.
Tiergestützte Therapie und Begegnung im Alltag
Der Kontakt zwischen jungen Menschen und Tieren kann ganz unterschiedlich aussehen. Gemeinsames Spielen, Spaziergänge, die Versorgung der Tiere, das Bauen von Spielzeug oder auch das ruhige Beobachten können Bestandteil der Begegnung sein.
Dabei lernen die jungen Menschen die Bedürfnisse und Grenzen der Tiere kennen. Sie können Verantwortung übernehmen und unmittelbar erleben, wie Tiere auf Verhalten, Körpersprache und Kommunikation reagieren.
Gleichzeitig muss ein Tier jederzeit die Möglichkeit haben, sich einer Begegnung zu entziehen. Die Bedürfnisse und das Wohlbefinden des Tieres sind deshalb ein wichtiger Bestandteil unserer tiergestützten Arbeit.
Unsere Hunde Tarek und Khaleesi
Zu unserer tiergestützten Arbeit gehören Tarek und Khaleesi, genannt Kalli.
Tarek ist ein Goldendoodle-Rüde und Therapiehund. Er ist klug, geduldig, verspielt und lernbereit. Besonders gern kuschelt und spielt er, flitzt, fängt Bälle oder genießt eine Ruhepause.
Khaleesi (Kalli) ist eine Labrador-Retriever-Hündin. Sie ist menschenbezogen, freundlich, neugierig und abenteuerlustig. Besonders gern mag sie Ball-, Wasser- und Laufspiele.
Beide Hunde haben ihre eigene Persönlichkeit, ihre individuellen Bedürfnisse und ihre Grenzen. Diese wahrzunehmen und zu respektieren, gehört ebenfalls zur tiergestützten Arbeit.
Funktionen und mögliche Ziele der tiergestützten Arbeit
Die Begegnung mit den Hunden kann entsprechend dem individuellen Hilfebedarf unterschiedliche Entwicklungs- und Lernbereiche ansprechen.
Kommunikation und Interaktion:
Die Kontaktaufnahme mit einem Hund kann verbale und nonverbale Kommunikation anregen. Die jungen Menschen können erleben, wie Körpersprache, Stimme und Verhalten die Interaktion beeinflussen.
Verantwortungsbewusstsein:
Bei der Versorgung, Pflege, bei Spaziergängen oder gemeinsamen Aktivitäten können die jungen Menschen Verantwortung übernehmen und lernen, die Bedürfnisse eines anderen Lebewesens zu berücksichtigen.
Wahrnehmung des eigenen Verhaltens:
Hunde reagieren unmittelbar auf Verhalten, Körpersprache, Lautstärke, Nähe und Distanz. Diese Reaktionen können wahrgenommen, gemeinsam reflektiert und mit Situationen aus dem Alltag in Verbindung gebracht werden.
Regeln und Grenzen:
Der Umgang mit den Hunden erfordert klare Regeln. Gleichzeitig müssen die Signale und Grenzen des Tieres erkannt und respektiert werden. Dadurch können Erfahrungen mit Rücksichtnahme, Nähe und Distanz sowie angemessener Kontaktaufnahme entstehen.
Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen:
Bewältigte Aufgaben und gelingende Begegnungen mit dem Tier können positive Erfahrungen ermöglichen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten unterstützen.
Umgang mit Unsicherheit und Ängsten:
Behutsam gestaltete Begegnungen können jungen Menschen ermöglichen, eigene Unsicherheiten wahrzunehmen und in einem begleiteten Rahmen neue Erfahrungen im Kontakt mit Tieren zu sammeln.
Bewegung und Motorik:
Spaziergänge, Ballspiele und praktische Aufgaben regen Bewegung an. Dabei können auch Grob- und Feinmotorik, Koordination und sensomotorische Fähigkeiten angesprochen werden.
Sinneswahrnehmung und Entspannung:
Berührung, Körperwärme, Bewegung und die bewusste Wahrnehmung des Tieres ermöglichen unterschiedliche Sinneserfahrungen. Ruhige Begegnungen mit einem Hund können darüber hinaus Momente der Entspannung unterstützen.
Ausdauer und Konzentration:
Gemeinsame Aufgaben können Aufmerksamkeit, Geduld und Konzentration erfordern. Beispiele sind das Bauen eines Hundespielzeugs oder das gemeinsame Erlernen und Einüben eines Tricks.
Lernen und kognitive Fähigkeiten:
Wiederkehrende Abläufe, Regeln und Aufgaben können Orientierung, Erinnerungsvermögen und das Verständnis von Handlungsfolgen unterstützen.
Lernen durch unmittelbare Reaktionen
Ein besonderer Aspekt der tiergestützten Arbeit liegt in der unmittelbaren Reaktion des Tieres. Ein Hund bewertet nicht mit Worten, reagiert aber auf die Art und Weise, wie ihm ein Mensch begegnet.
Dadurch können Situationen entstehen, in denen junge Menschen die Wirkung ihres eigenen Verhaltens direkt erleben. Diese Erfahrungen können gemeinsam aufgegriffen und reflektiert werden.
Dabei steht nicht das Erreichen möglichst vieler therapeutischer Ziele im Vordergrund. Entscheidend ist die individuelle Begegnung zwischen jungem Menschen und Tier und die Frage, welche Erfahrungen im jeweiligen Hilfeprozess sinnvoll genutzt werden können.
Teil unseres therapeutischen Gesamtkonzeptes
Tiergestützte Therapie und tiergestützte Angebote werden entsprechend dem individuellen Hilfebedarf eingesetzt. Sie ergänzen die pädagogische und therapeutische Begleitung und können Erfahrungen aus dem Alltag unmittelbar in Entwicklungs- und Lernprozesse einbeziehen.
Die tiergestützte Arbeit ist damit ein Bestandteil unseres Gesamtkonzeptes aus Pädagogik, Therapie und Schule.
Weitere Informationen finden Sie unter Therapie in der stationären Jugendhilfe.







